Von Arven Herr.

Hitzesommer, Dürreperioden und Waldsterben – Niedersachsen ist in den letzten drei Jahren von kaum einem Extremwetterphänomen verschont geblieben. Besonders deutlich zeigt sich der Klimawandel in den Fichtenbeständen des Oberharzes. Von dem sagenumwobenen Märchenwald haben Trockenstress und Borkenkäfer kaum etwas übriggelassen. Noch nie seit der ersten Waldzustandserhebung 1984 ging es dem Wald in Deutschland so schlecht wie heute. Noch nie sind so viele Bäume abgestorben wie im Jahr 2020. Fichten, Kiefern, Eichen und Buchen leiden massiv unter Kronenverlichtung. Mit verheerenden Folgen für das Waldökosystem, den Wasserhaushalt und damit auch für den Klimaschutz. Unsere Wälder sind wichtiger Bestandteil im Kampf gegen den Klimawandel. Der Aufwuchs resilienter Wälder und der Erhalt von gesunden Wäldern und Schutzgebieten müssen oberste Priorität haben.

Denn nicht nur das Waldökosystem leidet, auch die Wasserspeicherkapazitäten Waldes verringern sich deutlich. Seit einigen Jahren sind vor allem im Westharz Klimawandel und Wasserknappheit verstärkt spür- und sichtbar geworden. Gut 2 Millionen Menschen werden in Niedersachsen mit dem Wasser der Harzer Talsperren versorgt. Es geht also schon lange nicht mehr allein um die Frage, wie der Wald sich zukünftig entwickeln soll und kann, sondern auch um die Frage nach der Grundversorgung des wichtigsten Lebensmittels: Wasser. Für die Wasserwirtschaft ist daher klar: Das Wasserangebot des 21. Jahrhunderts wird nicht in dem bekannten Verfügbarkeits- und Schwankungsbereich bleiben. Verringerte Wassermengen in Talspeeren und Grundwasser überall in Niedersachsen, Eintrag von Schadstoffen wie Nitrat und Antibiotika in das Wasser und ein erhöhter Wasseraufwand in Landwirtschaft und Tierhaltung stellen uns vor neue Herausforderungen und damit bald auch vor Verteilungsfragen.

Wie sich die Wasserverknappung auf verschiedene Bereiche auswirkt und wie ein möglicher Paradigmenwechsel aussehen könnte, diskutierten Expertinnen aus Wasserwirtschaft, Wissenschaft, Naturschutz, Forst und Landwirtschaft im Rahmen der Online-Konferenz „Wasser – das Gold der Zukunft. Debatte über den Harz als größten Wasserspeicher Mitteldeutschlands“, am 19.02.2021 zu der Viola von Cramon, niedersächsische GRÜNE Europaabgeordnete, eingeladen hatte.

Fazit der hochkarätig besetzten und gut besuchten Konferenz war aus Sicht von Viola von Cramon, MdEP, zunächst einmal die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Ebenen stärken und zu institutionalisieren. Es braucht einen regionalen Wasserdialog über die Grenzen die Bundesländer hinweg, so auch die Forderung der Expertinnen der Veranstaltung. Die Szenarien in 2050/2100 und mögliche Klimaanpassungsstrategien müssten jetzt mit den Menschen und Wasser-Akteuren in der Region gemeinsam diskutiert werden, um beispielsweise auch für eine andere Preisstrategie zu werben. Es müssen Strategien entwickelt werden, wie Wasserkreisläufe für die Zukunft resilienterzu gestalten sind, wie Trink- und Brauchwasser privat und in der gewerblichen Nutzung gezielter zu trennen sind und wie die technischen Vorrichtungen dafür frühzeitig auf den Weg zu bringen sind. Insgesamt wäre jetzt ein wasserpolitischer Paradigmenwechsel fällig:

„Auch wir als Verbraucherinnen können unseren Beitrag zur Wassereinsparung leisten und unsere aktuellen Wassernutzungsgewohnheiten überdenken. Im Grunde hat jeder von uns damit auch einen Hebel, den persönlichen Wasserfußabdruck zu verkleinern. Ernährungsgewohnheiten haben enorme Auswirkungen auf den Wasserverbrauch. Eine wichtige Rolle für die Wassereinsparung spielt die Reduzierung des Anteils tierischer Produkte an der Ernährung.“

Die komplette Online-Konferenz kann jetzt auf dem YouTube Kanal von Viola von Cramon abgerufen werden:
https://www.youtube.com/watch?v=ej2rsGQ41ak

Titelbild: Photo by Patrick Hendry on Unsplash