Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ist eine große deutsche Erfolgsgeschichte – immer noch. Weltweit gelobt und oft kopiert. Als es im Jahr 2000 das Stromeinspeisegesetz ersetzte, wurde Deutschland noch von rot-grün regiert. Erst 5 Jahre später wurde Angela Merkel Kanzlerin. Als Umweltministerin wusste sie schon damals um den schlechten Zustand unseres Klimas und unserer Umwelt. Passiert ist seither in Sachen Klima- und Umwelt-Schutz nicht viel. Kanzlerin Merkel hat dies sogar selbst in ihrer letzten Bundespressekonferenz festgestellt. Was bleibt ist eine Art unaufgeregte Fassungslosigkeit.
Der Klimawandel und seine Folgen sind bekannt und wissenschaftlich ziemlich genau benannt – wann geben wir politisch endlich Volldampf in Richtung Klimaneutralität? Die großen Wirtschaftsunternehmen haben längst verstanden, dass Klimaschutz kein Nice-to-have ist, sondern in Zukunft auch über die Wirtschaftlichkeit ihres Geschäftsmodells entscheiden wird. Die Deutsche Post hat die Fahrzeugflotte auf Elektro umgestellt. Amazon gründet ein Climate Pledge – eine Selbstverpflichtung, bis 2040 klimaneutral zu wirtschaften. Nach eigenen Angaben versorgt sich Amazon schon jetzt mit 65% erneuerbaren Energien, bis 2030 wollen sie 100% erreichen.


Ich sage: Sie werden das schaffen! Warum bin ich mir so sicher? Als Unternehmerin verstehe ich die wirtschaftlichen Entscheidungsprozesse. Wir Unternehmer*innen können zwar kurzfristig auf Ereignisse reagieren, haben aber meistens eine langfristige Strategie. Der vollständige Einsatz von erneuerbaren Energien ist so eine Strategie. Von vielen Unternehmer*innen erkannt, die auch schon seit Jahren darauf setzen. Sowohl in Deutschland, als auch in anderen Ländern.
Die Erneuerbaren sind ein wichtiges Puzzleteil für unsere klimaneutrale Zukunft. Sie ermöglichen uns eine nahezu klimaneutrale Mobilität, ein klimaneutrales Wohnen und Wirtschaften und die klimaneutrale Herstellung von Energie. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir mehr Energie in allen Bereichen einsparen müssen. Denn klimaneutral wird es nicht von alleine. KlimaNEUTRAL ist es dann, wenn wir kein einziges CO2-Molekül mehr aus dem Boden holen, ob in Form von Kohle, Öl oder Gas. Es zählt nur das Kreislauf-CO2. Also alles, was oberirdisch vorhanden ist. Dieses CO2 wird ständig wieder gebunden und dann auch wieder im Energieentstehungsprozess freigesetzt. Haben wir eine intakte Umwelt mit vielen Bäumen, Wäldern, Mooren, gesunden Meeren und Seen, so ist das auch kein Problem. Überall dort wird CO2 eingespeichert. Nutzen wir, selbstverständlich in Maßen, nachwachsende Rohstoffe wie Holz oder Energiepflanzen, setzen diese vorher gebundenes CO2 wieder frei – ein Kreislauf. Der aber dann ad absurdum geführt wird, wenn wir weiter Erdgas, Erdöl und Braunkohle verfeuern und so quasi antikes CO2 in unsere Atmosphäre bringen. Wir müssen also besser gestern raus aus den fossilen Energieträgern. Jeder Tag ist entscheidend.


Windkraftanlagen, an Land und auf See, Photovoltaik-Anlagen, auf Dächern und in der Landwirtschaft mit Agri-PV als Kombilösung, Wasserkraft, vor allem als Speichermedium und Biogas. Der Energiemix der Zukunft. Bereits jetzt wird die Hälfte unseres Stromes aus erneuerbaren Energien produziert. In 2020 waren alleine an Land 29.608 Windkraftanlagen mit 54.938 Megawatt (= 54,94 GW) Leistung installiert, ebenso sind auch 54 GW Photovoltaik in Deutschland installiert. Die großen Mengen an Wind- und Solarstrom können direkt genutzt, gespeichert und in andere Formen wie beispielsweise Wasserstoff umgewandelt werden. 100% erneuerbare Energien sind technisch möglich und absolut notwendig. Wind- und Solarkraftwerke können uns weltweit risikofrei, ohne direkte Emissionen Energie produzieren. Wir müssen den Strom speichern, denn wir verbrauchen ihn nicht immer sofort. Auch hierfür sind die technischen Möglichkeiten schon lange gegeben. Zum Beispiel in Form von Wasserkraftwerken. Auch die Erzeugung von Biogas/ Biomethan mit Energiepflanzen und auch OHNE Mais sei hier erwähnt – denn es wird regelmäßig produziert und ist somit grundlastfähig. Eine wichtige Voraussetzung für die meisten Stromnetze.


Der Tisch ist reichlich gedeckt. Die Technik ist schon lange da. Ausgereift, sofort einsatzbereit. Worauf warten wir noch? Legen wir den Schalter um! Erneuern wir unser EEG noch einmal, es hat eine Renaissance verdient. Erneuerbare müssen jetzt wirklich Vorrang im Netz haben, nicht, wie jetzt, nur auf dem Papier! Dann wird im Übrigen auch die EEG-Umlage von automatisch niedriger, weil die Berechnungsgrundlage, der Börsenstrompreis, endlich den wahren Wert hat. Und natürlich müssen wir eine*r Erzeuger*in von erneuerbarer Energie ermöglichen, diesen Strom beispielsweise mit den Nachbarn zu teilen. Unternehmen müssen die Möglichkeit haben, ihren in größeren EE-Kraftwerken produzierten Strom über den Eigenverbrauch hinweg zu nutzen, zum Beispiel in Kombination mit anderen Unternehmen. Wir müssen das EEG und die Verwendung von erneuerbarem Strom pragmatischer gestalten, die Genehmigungen schneller umsetzen und das Stromnetz endlich zügig ausbauen!

Packen wir es an!

von Sina Beckmann