Mobilitätswende auf dem Land – Warum wir sie brauchen

Für die Mobilitätswende in den Städten liegen viele Gründe auf der Hand: Schadstoffe, Lärm und Feinstaub müssen reduziert werden, der verfügbare Raum kann besser zwischen den Verkehrsteilnehmern aufgeteilt werden und nicht zuletzt ist die Nutzung von Fahrrad, ÖPNV und Fußwegen für die Kommunen günstiger als der Straßenausbau.

Auf dem Land kommen noch zwei entscheidende Gründe hinzu:

Die erforderliche CO2-Reduktion im Autoverkehr ist erreichbar, wenn die Wegstrecken über 10 km zukünftig in deutlich höherem Umfang mit dem ÖPNV oder zumindest mit elektrischem Antrieb erfolgen.

Da wir unseren Flächenverbrauch reduzieren müssen, ist ein weiterer Straßenausbau nicht möglich. Die Staus, die im Zulauf auf die Zentren heute regelmäßig entstehen, können somit nicht durch den Bau neuer Straßen aufgelöst werden, sondern nur durch eine Reduktion des Verkehrsaufkommens.

Lösungsansätze für die Mobilitätswende auf dem Land

Gut vertaktete Bus- und Bahnangebote auf den wichtigen Verkehrsachsen in die Zentren und zwischen den Zentren sind der Schlüssel für einen attraktiveren ÖPNV auf dem Land. Hierfür haben der Bund und die Länder bislang zu wenig Mittel bereitgestellt. Nun soll der ÖPNV in den nächsten 10 Jahren erheblich ausgebaut werden. Kurzfristig bieten sich dafür neue Buslinien an, da diese vergleichsweise schnell geplant und in Betrieb genommen werden können. Baden-Württemberg plant bis 2030 eine Mobilitätsgarantie einzuführen. Das Konzept sieht vor, dass alle Orte in Baden-Württemberg von 5 Uhr früh bis Mitternacht mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein sollen.

eAutos – Tanken mit der Solaranlage auf dem Dach

Wer das Auto überwiegend für Fahrten in der näheren Umgebung benutzt, kann bereits heute ohne Komfortverlust auf ein eAuto umsteigen. Mit der eigenen Photovoltaik-Anlage steht in der Regel genügend Strom zur Verfügung, um diese Autos am eigenen Carport mit eigenem Strom aufzuladen.

Carsharing – auch auf dem Land eine Lösung

Wer nicht jeden Tag zur Arbeit pendelt, kann auch auf dem Land das Auto durch Carsharing ersetzen. Der Bundesverband Carsharing hat hierzu den „Leitfaden zur Gründung neuer Carsharing-Angebote“ aufgelegt:

https://www.carsharing.de/leitfaden-zur-gruendung-neuer-carsharing-angebote

Die folgende Tabelle zeigt, in wie viel Kommunen bereits heute Carsharing-Angebote bereitstehen.

Verkehr vermeiden

Die Pandemie hat uns gezeigt, dass Home Office wirtschaftlich tragfähig ist. Selbstverständlich wollen wir uns auch regelmäßig am Arbeitsplatz real treffen und abstimmen. Gerade bei längeren Arbeitswegen ist jedoch für viele Berufstätige Home Office eine Möglichkeit, den Verkehr deutlich zu reduzieren.

Die Nahversorgung auf dem Land ist ein weiteres Beispiel, wie sich die Abhängigkeit vom Auto in den letzten 20 Jahren schrittweise erhöht hat. 2005 lebten nur 17% der ländlichen Bevölkerung mehr als 1 km vom nächsten Nahversorger entfernt. 2014 waren es schon 48%, inzwischen sicherlich noch deutlich mehr. Es ist volkswirtschaftlich durchaus sinnvoll, die Nahversorgung in den kleineren Kommunen zu unterstützen, um die Versorgungslage Vorort zu verbessern und dadurch Verkehr zu vermeiden.

Vieles davon mag dem einen oder anderen utopisch erscheinen. Da diese Lösungen jedoch bereits in vielen Orten in Deutschland und im Ausland praktiziert werden (oder wurden), sollten wir gemeinsam daran arbeiten, die erfolgreichen Ansätze auf möglichst viele Kommunen und Regionen zu übertragen. Es wird nicht eine Maßnahme alleine sein, mit der wir die Mobilitätswende auf dem Land erreichen. Mit vielen kleinen Schritten in vielen Kommunen auf dem Land kommen wir den Zielen jedoch schrittweise näher. Anfangen können wir bereits jetzt, sowohl privat als auch gemeinsam mit der Politik in den Kommunen und im ganzen Land.

Jochen Sauer